Donnerstag, 16. Mai 2013

Windows 8: Fortschritt oder Desaster?

Seit 10 Tagen habe ich mein neues Notebook in Benutzung (Schenker B502, ich werde in einem späteren Beitrag ausführlich darüber berichten) und mit ihm Windows 8. Das neue Windows hatte ich mit gemischten Gefühlen bestellt. Es gibt etliche Benutzer, die es als völlige Katastrophe betrachten und so weit gehen, zum Hauptkriterium beim Computerkauf zu machen, dass man das entsprechende Gerät noch mit Windows 7 bekommt. Andere können den Neuerungen dagegen Positives abgewinnen. Welche der beiden Gruppen hat Recht?

Mein Fazit zu dieser Frage fällt eindeutig aus. Windows 8 ist ein klarer Fortschritt im Vergleich zur bisher besten Windows-Version, Windows 7. Man muss zwar einige Dinge gleich nach der Installation ändern, um gescheit arbeiten zu können, aber das ist ja nun nichts neues und ist mir bisher bei jedem System so gegangen.

Die Hauptkritik an Windows 8 betrifft die neue Metro-Oberfläche. Und das zu Recht. Microsoft hat hier versucht, Tablet- und Computerbedienung unter einen Hut zu bringen. Das ist insofern gelungen, als man nun tatsächlich ein gemeinsames Betriebssystem für beide Gerätetypen handelt. Es ist aber insofern misslungen, als man nun eben zwei grundverschiedene Konzepte in ein Paket gepackt hat, die zueinander nicht kompatibel sind und die nicht gut interagieren.

Die neue Metro-Oberfläche für Tablets ist nicht etwa nur eine Art neuer Programmstarter. Vielmehr braucht man für sie auch völlig neue Programme. Und die funktionieren dann völlig anders als die klassischen Versionen. Besonders deutlich wird das am Beispiel von Skype. Skype für Windows 8 ist eine Metro-App und verglichen mit dem Skype für den Windows-Desktop in seiner Funktonalität erheblich eingeschränkt. Glücklicherweise gibt es letzteres weiterhin. Man kann beide Versionen parallel installieren und erhält dann eben jede Chatnachricht 2x an seinem Rechner. Das ist nicht schön. Viel sinnvoller wäre es, wenn man nur eine einzige Anwendung installieren müsste, die sich dann abhängig vom Kontext unterschiedlich präsentiert.

Wer wie ich einen klassischen Computer mit Tastatur mit Windows 8 verwendet, für den ist die Metro-Oberfläche größtenteils ein nutzloses Ärgernis. Glücklicherweise kann man sie so weit loswerden, dass sie im Alltag keinen störenden Einfluss mehr ausübt und man ganz normal so arbeiten kann wie bisher auch. Dies geht zwar nicht mit Bordmitteln, doch eine einzige leicht bedienbare und bewährte Freeware genügt: Classic Shell, erhältlich am besten über die Original-Homepage des Teams www.classicshell.net. Ich empfehle, die einfach zu installieren und nicht lange nach anderen Lösungen zu suchen; die diversen Konkurrenzprodukte bleiben allesamt dahinter zurück und bieten keinen Mehrwert. Classic Shell kann unter anderem für das direkte Durchstarten auf den Desktop beim Hochfahren sorgen, die störenden aktiven Mausecken abschalten und das aus Windows 8 herausoperierte Startmenü zurückbringen. Mich persönlich freut besonders, dass letzteres wahlweise auch ohne Wiedereinführung des Start-Buttons möglich ist, von dem ich noch nie etwas gehalten habe. Ich habe völliges Verständnis dafür, dass Microsoft den abgeschafft hat - nur einen adäquat einfachen Zugang zu den wichtigen Funktionen, die bislang über ihn erreichbar waren, hätte Microsoft eben weiterhin bieten müssen. Classic Shell tut dies. Ich bin sicher, ein ab Werk mit Classic Shell ausgeliefertes Windows 8 hätte kaum Kritik provoziert.

Hat man Classic Shell installiert und an den persönlichen Geschmack angepasst, so verbleiben nur noch wenige Schritte zu einem guten System. Die im Computerbetrieb störenden Hereinwisch-Aktionen muss man über den Maustreiber deaktivieren, doch leider bieten nicht alle Maustreiber diese Option an. In diesem Fall muss man selbst in der Registry aktiv werden. Im B502 ist ein Touchpad der Firma Synaptic installiert, deren Produkte wohl recht stark verbreitet sind. Eine Anleitung der Registry-Anpassungen dafür findet man auf superuser.com, die Anmerkung zu den nicht überall gleichen Registry-Schlüsseln sollte dabei bitte beachtet werden.

Als nächstes habe ich die Freeware Auto Hotkey installiert, um häufig benötigte Aktionen schnell mit der Tastatur ausführen zu können. Die in Windows selbst für diesen Zweck eingebauten Funktionen sind leider immer noch so schlecht wie beim Vorgänger. Ich habe in Auto Hotkey insbesondere Shortcuts für Webbrowser, Shell und Taschenrechner definiert.

Schließlich habe ich noch wie üblich das automatische Booten von Windows nach dem Installieren von Updates abgeschafft, um Datenverlust bei eventuell noch geöffneten Programmen zu vermeiden. Dies geht in der Systemsteuerung über 'Gruppenrichtlinie bearbeiten', und dort über Computerkonfiguration / Administrative Vorlagen / Windows-Komponenten / Windows Update. Zu aktivieren sind dort 'Automatische Updates konfigurieren' und 'Keinen automatischen Neustart...'.

Das war's! In vier recht einfachen Schritten ist man bei einem angenehm nutzbaren System angelangt. Doch halt: bisher war in diesem Artikel nur von Ärgernissen von Windows 8 die Rede, und wie man sie los wird. Und diese Ärgernisse sind größtenteils genau das, was Microsoft selbst als den großen Vorzug von Windows 8 bewirbt. Wäre es da nicht besser, gleich bei Windows 7 zu bleiben? Die Antwort lautet eindeutig nein. Abgesehen von der Metro-Oberfläche und allem, was dazugehört, ist Windows 8 nichts anderes als eine behutsame, sehr gelungene Weiterentwicklung von Windows 7.Hier ist eine kurze Liste von Verbesserungen, die mir direkt ins Auge gesprungen sind; die tatsächliche Liste der Verbesserungen von Windows 8 ist natürlich viel länger.

  • Windows 8 startet erheblich schneller als seine Vorgänger.
  • Die Sicherheit des Systems wurde erheblich verbessert. Zu nennen sind hier etwa das verbesserte ASLR, Secure Boot (das für Fans alternativer Betriebssysteme abschaltbar ist) und das verbesserte Bitlocker, zu dem ich in einem späteren Beitrag noch etwas schreiben möchte.
  • Der Lock Screen ist nun konfigurierbar und kann Meldungen von Apps anzeigen.
  • Das Dateioperationen auf dem Desktop wurden erheblich verbessert, u.a. durch die Pause-Taste und den besseren Fortschrittsanzeiger.
  • Multi-Touch auf dem Touchpad, etwa zum Zoomen, wird jetzt vom System unterstützt.
  • Die Unterstützung großer Datenmengen wurde erheblich ausgeweitet, etwa durch die Storage Spaces und die Unterstützung von viel RAM.

Also: bitte keine Angst vor Windows 8! Wie alle Systeme hat es seine Eigenheiten, doch sie lassen sich sehr leicht in den Griff bekommen. Vom Kern-Betriebssystem her handelt es sich eindeutig um das Beste, was Microsoft bisher produziert hat. Es gibt keinen Grund, gezielt eine ältere Version zu verwenden. Das gilt insbesondere für Windows XP und seine Vorgänger, die bereits heute ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen.

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