Samstag, 30. März 2013

Notebooks für Entwickler


Gut geeignete Notebooks für Entwickler sind erstaunlich schwer zu finden. In diesem Beitrag versuche ich, darzustellen, wie es dazu kommen konnte und welche Optionen interessierten Entwicklern zur Verfügung stehen.


Wir haben uns daran gewöhnt, dass Computer in zunehmendem Tempo immer besser werden. Geschwindigkeit, Speicherkapazität und die Qualität von Peripheriegeräten wie Monitoren steigen unaufhörlich, und dementsprechend ergeben sich immer neue Anwendungen für Computer. Wir Anwendungsentwickler müssen mit diesen Entwicklungen Schritt halten und ständig neue Software herausbringen, die unter Ausnutzung der immer größeren geballten Rechnenkraft einen ständig steigenden Wert für unsere Nutzer schafft, oftmals in Form völlig neuer Anwendungen, von denen wir niemals zu träumen wagten. Wer hätte etwa vor 10 Jahren gedacht, nie wieder Landkarten, Restaurantführer, Hotelführer und so weiter zu brauchen, weil auf dem Billighandy in der Hosentasche Google Maps läuft - und das noch dazu völlig kostenlos? Hegel hätte seine Freude gehabt. Ich kenne kein klareres Beispiel für das von ihm postulierte Umschlagen von Quantität in Qualität als die vielfältigen Anwendungen für Mikroprozessoren.

Wir Entwickler sind also gezwungen, uns in einigermaßen kurzen Abständen immer wieder neue, kraftvolle Computer an den Arbeitsplatz zu stellen. Andererseits gebietet die moderne Arbeitswelt, dass wir auch außerhalb unserer Büros kreativ und erreichbar sein müssen. Der fette Tower unter dem Büroschreibtisch ist  da eine suboptimale Lösung - den kann man nirgends hin mitnehmen. So stehen oftmals wichtige Daten nicht zur Verfügung, wenn man mal zu Hause einen dringenden Anruf erhält, von der gewohnten Arbeitsumgebung ganz zu schweigen.

Der nächstliegende Ausweg aus dieser Situation wäre es, einen Notebook-Computer zu verwenden. Und zwar immer und überall dasselbe Gerät, am Arbeitsplatz wie auch in der Freizeit zu Hause. Ich selbst tue genau das, und etliche mir bekannte Manager ebenfalls. Ausgerechnet bei Softwareentwicklern erlebe ich jedoch sehr selten dieses Vorgehen. Die meisten haben einen kräftigen Rechner in der Arbeit, einen anderen kräftigen Rechner zu Hause, und als echte IT-Fans natürlich noch diverse weitere Geräte. Den Schritt zu einem einzigen gemeinsamen Gerät gehen viele nicht.

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Oftmals verhindert der Arbeitgeber die Notebook-Lösung, etwa weil man vor den sicherheitstechnischen Konsequenzen Angst hat oder nicht bereit ist, auf die Individualität des kreativ Schaffenden bei der Auswahl des konkreten Geräts Rücksicht zu nehmen. Oder weil Notebooks für Entwickler schlicht für nicht erforderlich gehalten werden. Doch auch die Entwickler selbst würden sich keinesfalls alle über ein Notebook vom Chef freuen. Man hat bisher immer mit dem großen Rechner gearbeitet, man hat noch nie täglich ein paar Kilo zur Arbeit und zurück geschleppt, warum sollte man daran etwas ändern? Dennoch bin ich sicher, dass viele Entwickler gerne mit einem Notebook arbeiten würden, wenn es denn geeignete Geräte überhaupt gäbe.

Mir scheint, dass speziell in den letzten Jahren für Entwickler geeignete Notebooks kaum verfügbar waren. Traditionelle Notebook-Hersteller hatten offensichtlich mit einer ganzen Reihe von umsatzschmälernden Schocks zu kämpfen und waren dadurch nicht mehr in der Lage, ihre Produkte in angemessener Weise weiterzuentwickeln. Solche Schocks waren zum Beispiel der kometenhafte Aufstieg von Apple zum dominierenden Notebook-Hersteller, die Markteinführungen von kleinen und leistungsschwachen Notebook-Varianten (zunächst Netbooks, später Ultrabooks) sowie die Markteinführungen von Tablets. Leistungsstarke Notebooks sind zugunsten von eher schwachen, dafür aber verspielten und billigen Geräten weitgehend aus den Ladenregalen verschwunden.

Um die Misere zu verdeutlichen, beschreibe ich einmal für mich selbst, was für Anforderungen in an ein Notebook für mich stelle, und was für Schwierigkeiten ich bei der Suche nach einem geeigneten Modell hatte. Dies ist natürlich eine sehr subjektive Zusammenstellung. Andere Entwickler werden in Teilen andere Anforderungen stellen. Doch die Richtung sollte für etliche Kollegen ganz ähnlich sein.

  • Wir Softwareentwickler müssen jede Menge Informationen gleichzeitig im Blick haben. Die Anwendung selbst, die Entwicklungsumgebung, Debugger, Dokumentationsbrowser... Das Display muss daher hochauflösend und gesichtsfeldfüllend sein. Für mich persönlich bedeutet ersteres ein Minimum von FullHD (1920x1080 Pixel) und letzteres ein Minimum von 15". Jüngere Programmierer mit Adleraugen können auch mit einem kleineren Display auskommen oder von noch höherer Auflösung profitieren. Das Display benötigt eine gute Farbtreue im sRGB-Raum, damit der Entwickler die Farben so sieht wie später der Kunde.
  • Im Gegensatz zu vielen anderen Anwendern von Computerprodukten müssen wir sehr viel Text eingeben und in dem von uns selbst eingegebenem Text sehr oft und zielgenau navigieren. Die Tastatur sollte daher einem Standardlayout folgen, alle Tasten sollten volle Größe haben. Das Tippen muss ermüdungs- und verkrampfungsfrei möglich sein. Bei meiner persönlichen Tippweise bedeutet dies, dass das Gehäuse eine starke Keilform aufweisen muss, also vorne extrem flach und hinten deutlich höher sein muss. Der Mausersatz muss präzise und reibungsarm sein.
  • Speicher kann man nie genug haben. Das gilt für den Hauptspeicher, in den bei uns ja nicht nur die Anwendung selbst, sondern auch Entwicklungsumgebung, Debugger und so weiter passen müssen. Es gilt aber genauso für den Plattenplatz. Mindestens ein Teil des Plattenplatzes muss außerdem in Form einer SSD realisiert sein. Sind nämlich Betriebssystem und Programme auf einer normalen Notebookplatte installiert, so wird das System massiv ausgebremst. Alle Platten müssen überdies sicher und leicht verschlüsselbar sowie leicht entnehmbar sein.
  • Inwieweit Hauptprozessor und Grafikprozessor besonders fortschrittlich sein müssen, hängt von der Branche des Entwicklers ab. Bei mir persönlich spielt beides keine Rolle. Gerade für kräftige Grafikprozessoren gibt es jedoch viele Anwendungen.
  • Als Schnittstellen sind DualBand-WLAN, Gigabit-Ethernet, USB3 sowie HDMI unverzichtbare Pflicht. Je nach konkretem Bedarf des Entwicklers können natürlich weitere hinzukommen.
  • Der Akku muss einen permanenten Netzbetrieb gut vertragen. Geht er seinem unausweichlichem Ende entgegen, so muss sich Ersatz leicht beschaffen und vor allem leicht einbauen lassen.
Wie passt nun die Realität angebotener Geräte zu dieser Liste? Zunächst einmal ist das gar nicht so leicht festzustellen. Denn potente Geräte sind wie gesagt kaum in den Läden zu finden und müssen stattdessen unbesehen bestellt werden. Dadurch wird die Erfüllung der Kriterien zu Tastatur, Mausersatz und Gehäuseform zum Glücksspiel. Man kann zwar anhand von Bildern, Testberichten und technischen Daten der angebotenen Geräte zu Vermutungen über die Eignung eines Geräts kommen - ob diese aber zutrifft, erfährt man erst, wenn das gute Stück geliefert wird. Dies ist kein Problem, wenn man als Privatkunde im Versandhandel mit gesetzlichem Rückgaberecht kaufen kann. Entsprechende Konstruktionen ermöglicht aber nicht jeder Arbeitgeber. Die ergonomische Keilform der Gehäuse ist leider ganz allgemein selten geworden, seit Apple mit seinem durchgängigen Quaderdesign den Markt aufgerollt hat, das für ermüdungsfreies Arbeiten nicht optimal ist und stattdessen Schwerpunkte bei Ästhetik und Mobilität setzt.

Etwas besser ist die Situation beim Display. Auflösung und Größe sind aus den technischen Daten leicht ersichtlich, weitere Parameter wie Blickwinkelabhängigkeit und echte maximale Helligkeit sind für Entwickler nicht so relevant wie für manch anderen. Problematisch ist aber die Farbtreue. Hier ist man auf gute Reviews angewiesen, von denen es aber leider erschreckend wenige gibt. Hinzu kommt noch, dass Hersteller das verbaute Display gerne ohne Ankündigung ersetzen - zumeist gegen eines, das im Einkauf billiger und somit eher selten besser als die getestete erste Variante ist.

Beim Hauptspeicher ist die Situation traurig. Obwohl der nun wirklich klein und billig ist und wahrlich nicht nur Entwickler viel davon brauchen (man denke nur an CAD, Bildbearbeitung, Videoschnitt, ...), gibt es nur wenige Geräte mit mehr als 8GB zu kaufen. 8GB waren aber schon vor vier Jahren in Notebooks üblich - eine halbe Ewigkeit in diesem Geschäft. 32GB sind technisch kein Problem, doch die wenigen Geräte, die dies zumindest als Nachrüstoption anbieten, sind riesige Klötze. Und das keinesfalls wegen des Speichers, sondern wegen der aufwendigen Kühlsysteme für die Spitze an Leistungsfähigkeit der CPUs und GPUs, die sich in diesen Geräten verbauen lassen. Fast ein Jahr lang war Apple der einzige Anbieter eines schlanken Notebooks mit 16GB. Ein Armutszeugnis für den Rest der Industrie.

Plattenplatz sollte technisch ebenfalls mittlerweile kein Problem mehr sein. Es gibt seit langem Standard-Notebookplatten mit 1TB Kapazität, und bei den geradezu winzigen mSATA-SSDs ist man mittlerweile auch schon bei einem halben TB angekommen. Nur leider bietet das kaum jemand an. Die meisten Hersteller scheinen bei der Erstauflage eines Notebook-Modells eine extrem eingeschränkte Auswahl der damals verfügbaren Hardware zu treffen und die dann nie mehr zu verändern. Der an sich problemlose gleichzeitige Einbau eines mSATA-Modells und einer Standard-Festplatte scheint die meisten Hersteller ebenfalls zu überfordern, und von einfacher Zugänglichkeit kann in etlichen Fällen schon gar keine Rede sein.

Ein besonderes Problem gibt es bei der Sicherheit, insbesondere der Festplattenverschlüsselung. Wenn man so etwas wirklich gescheit machen will, benötigt man ein TPM (Trusted Platform Module) oder eine dazu äquivalente Hardware. Gegen diese wehren sich aber viele Kunden aus einer m.E. in diesem Fall übertriebenen Angst vor Problemen beim Datenschutz. Bei normalen Notebooks bekommen daher in der Regel nur Business-Modelle ein TPM, was leider die diversen Modelle für die Zielgruppe 'Power-User' ausschließt.

Die anderen oben aufgelisteten Kriterien sind nicht so problematisch. Aber die Liste der Schwierigkeiten ist ja auch so wahrlich lang genug.

Welche existierenden Notebook-Modelle sind unter diesen Umständen nun besonders interessant für Entwickler?
  • Als erste Kandidaten springen die Apple MacBooks Pro mit Retina Display ins Auge. Obwohl sie im Wesentlichen nun schon fast ein Jahr alt sind und keinesfalls hauptsächlich Entwickler als Zielgruppe haben, verfügen sie über eine ausgesprochen potente Hardware. 16GB Hauptspeicher und 768GB Plattenplatz sind machbar, letzterer sogar vollständig als schnelle SSD. Mit FileVault2 steht zumindest bei der Nutzung von Mac OS ein potentes Verschlüsselungssystem zur Verfügung. Das Display löst unerreicht hoch auf und deckt sRGB fast vollständig ab. Der Unix-Unterbau von Mac OS X ist für Entwickler ein nützlicher Bonus verglichen mit Windows.
    Wichtige Nachteile dieser Geräte sind die Unzugänglichkeit der verbauten Komponenten (nicht mal den Akku kann man selber austauschen), die fehlende Keilform des Gehäuses, die Tastatur mit dem für Windows- und Linuxuser unüblichen Tastaturlayout und unvollständiger Tastenbeschriftung, sowie nicht zuletzt der sehr hohe Preis. Dennoch war ein solches Notebook lange Zeit mein Favorit.
  • Eine andere Möglichkeit wäre die Suche nach einer klassischen Mobile Workstation. Traditionelle Anbieter für so etwas sind in erster Linie Lenovo und HP. Nachteil dieser Lösung ist es, dass die lieferbaren Geräte dieses Typs meist nicht nur groß und schwer, sondern vor allem auch im vorderen Bereich sehr hoch sind. Zudem war meine konkrete Suche bei diesen Herstellern nach einem Gerät, das tatsächlich ab Werk mit viel Hauptspeicher und Plattenspeicher ausgerüstet ist, erstaunlicherweise völlig ergebnislos.
  • Ein weiterer eigentlich interessanter Hersteller ist die Firma Fujitsu. Deren recht neues Lifebook E753 habe ich in die engere Wahl genommen. Leider ist es mir weder gelungen, ein solches Gerät live zu Gesicht zu bekommen, noch es mit Rückgaberecht zu bestellen. Fujitsu ist eben in erster Linie ein Business-Hersteller, und für Firmenkunden gibt es das übliche Verbraucher-Rückgaberecht nicht.
  • Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, ein Gerät auf Basis eines Notebook-Barebones anzuschaffen. Eine Menge Firmen bieten recht frei konfigurierbare Systeme nach diesem Prinzip an, die hierzulande bekanntesten sind vielleicht Schenker und MSI. Der Vorteil ist, dass man in der Auswahl seiner Komponenten sehr frei ist. Diese Freiheit geht so weit, dass man z.B. nicht nur die Menge des benötigten Plattenplatzes konfigurieren darf, sondern sogar ein ganz konkretes Modell eines ganz konkreten Herstellers benennen kann. Nur so weiß man vor dem Kauf wirklich genau, was man hinterher bekommt. Die konfigurierten Komponenten sind in vielen Fällen im fertigen Notebook sehr gut zugänglich. Hauptnachteil der Barebones ist, dass Display, Tastatur und Mausersatz fester Bestandteil des Barebones und somit nicht konfigurierbar sind. Speziell die Tastaturen können sich meist nicht mit den Besten der Branche messen. Die Barebones sind in der Regel auch nicht so flach wie entsprechende Markengeräte.
Nach langem Hin und Her habe ich erst mal ein Schenker Xirios B502 mit Rückgaberecht bestellt. Der Papierform nach erfüllt dies abgesehen von geringen Abstrichen bei der Tastatur meine Kriterien vollständig. Ob dies dann auch der Realität entspricht oder ob ich das Notebook zurückschicken muss, werde ich in einigen Wochen wissen und hier berichten. Vielleicht wird auch ein richtiger kleiner Test des Gerätes daraus. Bis dann in diesem Blog!

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